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Vom Tod und der Liebe

Vom Tod versteh ich mehr als von der Liebe,
Denn er ist treuer und verlässlicher als sie,
Macht nicht so viel Geschacher und Geschiebe,
Und bleibt verbunden dir mit Garantie.

Kommt er, so kommt er unverhohlen.
Beständigkeit, das ist des Todes Werk.
Hingegen kommt die Liebe meist verstohlen
Und ist schon – Husch! – gleich wieder über’n Berg.

Beziehungsarbeit will sie immer haben!
Und dass man stets im besten Licht sich zeigt!
Der Tod hingegen braucht nicht solche Gaben –
Er kommt von selber wenn der Tag sich neigt.

Verschiedene Geschwister sind die beiden:
Die eine sorgt für Trubel immerzu,
Für Tränen, Lieder, Laster, Leiden –
Der andere will gerade das vermeiden
Und er beendet’s ohne groß Getu.

© Jörg Hilbert 2018