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Tränen zu Planeten (A Valediction: of Weeping)

Tränen meines Gesichts –
Ich wein sie auf dein Antlitz unentwegt,
Damit es Silbermünzen daraus prägt –
Ansonsten wär ihr Wert gleich nichts.
Münzenmeer –
Schwangerschwer
Die Währung eines Landes fern und weit,
Aus Leid gemacht, und auch ihr Zins ist Leid.
Verlierst du sie, verlierst du auch dich selbst zur gleichen Zeit.

Nimm einen Ball.
Klebst du ihn überall mit Karten aus,
Wird bald die ganze Welt, der Globus draus.
So wird aus Spielzeug gar das ganze All.
Von gleicher Art
Sind Tränen zart:
Sie werden zu Kometen durch dein Bild,
Zu Sonnen, den Planeten, und es schwillt
Wie eine Straße milchig schimmernd übern Himmelschild.

Es thront der Mond
Und seine Meere türmst du auf für mich,
Damit versinke und ertrinke ich.
So halt doch ein! Lass mich verschont,
Dass nicht die See
Noch höher geh
Mit ihren Wogen erhöhend meine Pein!
Ich zieh wie Seeluft deine Seufzer ein.
Sie treiben mich unweigerlich in meinen Tod hinein.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018