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Schön blöd (The Triple Fool)

Schön blöd, das bin ich, doppelt gar:
Ich liebe und ich sag’s fürwahr
Gejammert und gereimt.
Der Weise sieht es sicher voller Neid,
Wie es die Damen freut.
Gleich einem Fluss, der Gold aus Steinen spült
Aus trübem Sand und schwerem Felsenerz,
Und wie sein Wasser wunde Füße kühlt,
So kühlt der Reim getreulich meinen Schmerz.
Er lässt ihn niedersinken – kurz und gut –
Als Schatz, verborgen in der tiefsten Flut.

Ein Mistkerl aber schürfte dort,
Entdeckte und vertont’ mein Wort,
Um sich hervorzutun.
Den Schmerz befreite er so frevelhaft
Aus der Gefangenschaft.
Und alle singen’s nun, und viel zu laut! –
Bei jedem Ton sträubt sich mein Nackenhaar! –
Sie singen, was mich grämt und graut
Und doch im Fluss versenkt schon war.
Der Weise seufzt und streicht sein weißes Haar.
Schön blöd, das bin ich – dreimal blöd sogar.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018