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Männer angeln (The Bait)

Komm sei so lieb und geh mit mir
Zu jenem Teich, dort sehen wir
Von unser goldnen Uferbank
Die Wellen hell und silberblank.

Es wärmt dein Blick die Flut noch mehr
Als alles Licht vom Himmel her,
Und steigst zum Bad du in den Teich,
Da komm’n die Fischlein an sogleich.

Sie scharen sich verliebt um dich,
Als riefen sie: Vernasche mich!
Mein großer Fisch-Schwarm, das bist du,
Drum nimm mich! Angle mich! Nur zu!

Verdunkelt sich auch alles Licht –
Derselben Hilfen brauchst du nicht.
Wie eine Fischerlampe glimmt,
So leuchtest du mir unbestimmt.

Selbst Reusen, Netze oder Schnur,
Des all’n bedarfst du keiner Spur,
Weil du die Beute selber bist.
Ich werd ganz schwach bei dieser List –

Dein weißes Bein dort in der Flut –
Der Köder schmeckt mir gar zu gut!
Obwohl ich ahn: Bei diesem Schmaus,
Da nimmt der kluge Fisch Reißaus.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018