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Garten Eden (Twickenham Garden)

Es geht mir nicht gut, es geht nur bergab,
Die Tränen, sie stömen mir übers Gesicht,
Ich stolpre die Straßen hinauf und herab
Bis hin zu dem Garten, der Lindrung verspricht
Mit seinem sanften Frühlingslicht.
Hier summt es überall und zwitschert froh.
Sitzt wohl der Adam irgendwo?
Und Eva? Zum Paradies fehlt nur ein Schritt –
Die Schlange, Freunde, die bringe ich schon mit.

Warum ist hier Frühling? Warum kann nicht sein
Hier bitter Winter samt Kälte und Nacht,
Mit eisigem Antlitz, das kalt und gemein
Mir Leidenden höhnt und mich bitter verlach,
Anstatt mir neue Hoffnung macht?
Ach wär ich doch ein schlichtes Pflanzenstück
Von diesem Park, zu meinem Glück
Gedankenfrei vergraben tief und still
Am Quell, der nichts mehr weiß und nichts mehr will.

Ihr Liebenden, schnell!, die Gläser herbei
Für den Wein meiner Tränen, mit Liebe geweint –
Ein ehrlicher Tropfen, und nicht Gaukelei
Wie der fälschliche Fusel, den Schatz immer greint;
Vergoren ist’s und anders gemeint!
Was wirklich sie denkt, das zeigt der Frau Getu
So dürftig wie der Abdruck den Schuh.
O du verheult-verlogenes Geschlecht!
Nur wenn sie dich erschlagen, ist es echt.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018