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Die Qual der Wahl (Self Love)

Der, der mich liebt und mich begehrt
Weil er’s nicht anders kann,
Ist nur ein Schwächling, nicht viel wert
Und gar kein echter Mann.
      Ist er hingegen willensstark
Mit Muskeln dick und groß,
So ist das auch nicht, was ich mag,
Weil hormonell ja bloß.
      Sind nur die Schönen seine Wahl,
So fänd ich ihn gewöhnlich
Und ist ihm Schönheit ganz egal,
Dann wird’s mir zu persönlich.
      Dem, welcher Grips hat und Verstand,
Dem wär ich unterlegen,
Doch griff ein Dümmrer meine Hand,
Wär ich wohl auch dagegen.
      Der Mann, der mir am meisten schenkt
Ist ebenfalls nicht richtig,
Genauso wenig wie wer denkt,
Das Schenken sei nicht wichtig.
      Da bleibt nicht viel in engerer Wahl
An Männern – nämlich keine.
Ich mach mir deshalb keine Qual
Und lieb mich halt alleine.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018