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Die Oboe

Als Gott die Schmerzen schuf, das Leid,
Den Kummer und die Einsamkeit,
Da schuf er gleichfalls nebenbei,
Fagott, Oboe und Schalmei.

Mit all den Dingen hatte nun
Der Mensch zunächst nicht viel zu tun,
Bis dass er in den Apfel biss
Und Gott ihn aus der Bude schmiss.

Und das warf Gott ihm hinterher:
Den Tod und den Geschlechtsverkehr,
Die Pest, die Wollust und die Laus –
Auch die Oboe schmiss er raus.

Es nahm das Ding der Mensch und fluchte,
Weil er das Mundstück dazu suchte.
Doch Gott blieb hart und er beließ es
Im Besenschrank des Paradieses.

Das ist, warum der Mensch am Ende
Dies paradiesisch’ Instrumente,
So sehr er sich auch müht und plagt,
Nie ganz beherrscht und ständig klagt:

Das Instrument hat Gott erdacht,
Das Mundstück hat der Mensch gemacht.

© Jörg Hilbert 2018