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Das splitternackte Grauen

Das Grau’n in diesem Walde,
Gehört zum guten Ton,
So wie ja auch das Grüne –
Es hat hier Tradition:
Es grauet und es grünet
Im Walde immerfort
     Und über allen Zipfeln
     Und über allen Wipfeln
Weh’n blau die Winde dort.

Besagtes nacktes Grauen,
Das ist so spliternackt.
Dass man vor Scham errötet,
Wenn’s einen wieder packt.
Drum kommt im Herbst das Braune
Vom Blätterdach hinzu.
     Fällt nieder aus dem Wipfel,
     Bedeckt die ärgsten Zipfel –
Schon hat man seine Ruh.

So hat das nackte Grauen
Am Ende keine Macht.
Da kannst du drauf vertrauen,
Weil die Natur es macht.
Des Grüne, Braune, Graue
Gehört dazu nun mal,
     Wie auch die höchsten Wipfel –
     Und hast du’s nicht verstanden,
Dann ist es mir egal.

© Jörg Hilbert 2018