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Amor verfettet (Love’s Diet)

Amor, Gott der Liebe, unser Engel
Mit dem Bogen und dem Pfeil im Köcher –
       Fett geworden ist er, dieser Bengel,
       Weil ich ihn gemästet noch und nöcher.
Nichts Pralles mehr, nur Geistiges stattdessen –
Das mocht’ er aber gar nicht gerne essen.

Auch Seufzer gab ich ihm, jedoch bescheiden –
Nur einen täglich und kein Bisschen mehr,
      Gemixt aus Freuden halb, und halb aus Leiden;
      Vom Busen meines Schatzes kam es her.
Und stahl er was, so musst’ ich leider sagen:
Mehr, Amor, kann dein Magen nicht vertragen.

Zu Tränen rührte mich der kleine Racker,
Die gab ich ihm im Glase voller Salz.
      Hier trink das ruhig mal selber wacker,
      Dann weißt du nämlich, wie das steckt im Hals.
Das, was das Auge funkelt lässt, ist nass
Der Schweiß von Arbeit, und nicht mehr als das.

Ich schmierte sein Gesäusel auf ein Blatt
Und gab’s dem Feuer einer Trauerlampe.
      Hingegen was mir Schatz geschrieben hat,
      Das ließ ich ihm zur Mästung seiner Wampe.
Ja, friss nur, Kleiner, sprach ich, halt dich ran.
Vor mir sind eh noch zwanzig andre dran.

Derweilen geh ich meinen Hobbys nach,
Die Falknerei an allererster Stelle.
      Da hab ich ziemlich wenig Ungemach,
      Bleibt dieser Amor mir nur von der Pelle.
Den Falken hetze ich aus Spaß zur Frau,
Und will sie nicht – ja, gut – dann mach ich eben blau.

John Donne (1571-1631), frei nachgedichtet von Jörg Hilbert

© Jörg Hilbert 2018